WHATS’S LOVE GOT TO DO WITH IT? CLOWNSOLO

T-Werk in der Schiffbauergasse hieß es für die Schreibende erstmals. Und wohin muss ich? In den Proberaum. Und nett sind sie dort. Der Staub des Theaters umfliegt die sich setzenden Besucher*innen, und siehe da, sie finden einen Teebeutel auf ihren Sitzen. Rote Nasen wollen erwärmt werden!

Doch um was geht es heute Abend? Und was hat Liebe damit zu tun? Wird meine mexikanische Begleitung verstehen?

Ein One-Woman-Stück, ein  Clownsolo über das Reisen und die Liebe, so war die Ankündigung. Beide Themen gehen uns alle an, denn auch das Leben selbst, ja, jeder einzelne Tag ist eine Reise. Ob Liebe mit im Körbchen ist?

Diese, also Körbchen, hängen von der Decke, und die rührende Darstellerin, welche im wahren Leben Angela Hopkins heißt und sowohl im Stück als auch im wahren Leben zwei Pässe besitzt, wird einiges finden in ihnen. Manchmal kommt ja irgendwas geflogen einfach so, und man muss zugreifen und was damit anstellen.

Doch zuerst sind da nur ein großer Rucksack und ein Berg mit weißer Plane behängt, also ein sehr hoher und mit Schnee bedeckter. Die Clownin stürmt herbei, als der Flug nach Alicante angekündigt und durchgesagt wird, das Gepäck nicht unaufbesichtigt zu lassen. Wie gut kennen Reisende diesen Satz. Ist das Gepäck noch da? Und was ist eigentlich drin, hat man an alles gedacht? – Welch Freude dieses Sitzhöckerchen in überfüllten Wartehallen, wie wunderbar so ein Tuchschal, und dann sind da Socken und dann sind da Wanderschuhe. Sie wollen einer dem anderen weglaufen, denn immer gibt es ja doch Abzweigungen, und man weiß nicht so recht, soll man ihnen folgen?

Doch wir fliegen mit der Clownin hin zu diesem Berg. So hoch ist er, so kalt und so allein sind wir. Sollen wir da wirklich hoch? Und wir frieren in den Tanzschuhen. Zum Glück haben wir alles, was wir brauchen, im Rucksack: warme Socken, robuste Schuhe, einen Schal und eine Mütze. Ein Seil auch, wer weiß, wozu es gut sein wird. Mühsam ist der Weg, und schließlich bemerken wir, dass der Ballast abfällt von uns. Oben belohnt uns eine wundervolle Sicht, und wir singen mit dem Wind, der sogar antwortet. Ist das die Liebe, die über dem Berg hängt? Ist da jemand? Eigentlich können wir jetzt selbst fliegen!

Das Älterwerden, das Pummeligwerden, die Erschlaffung der Haut machten uns erst furchtbar traurig, doch halt: Wir haben ganz viel Stolz und ganz viel Mut, wir wissen, wer wir sind. Berge können wir jetzt leicht besteigen, sogar in Tanzschühchen. Die Liebe hängt doch da oben in den Wolken und wir haben jetzt den Mut, sie uns zu greifen. Wir führen sie, oder führt sie uns? Und alles und jedes auf unserem Weg war ihr roter Faden. Menschen, Orte und Gegenstände umhüllen wir mit Seifenblasen. Wir müssen zuerst uns selbst lieben, unseren ganzen Weg auch, nur dann haben wir die Fähigkeit, Liebe bedingungslos zu leben und frei zu sein.

Meine Begleitung hat nicht nur die Original-Flughafenansage verstanden, denn das Stück ist clownisch-mimisch-stumm, für alle zu verstehen und mehr noch: Gefühle werden transportiert, die den Clownmenschen an die Hand nehmen wollen, weil sie so sehr mit ihm fühlen, weil wir alle dieselben Ängste und Sorgen haben. Weil wir doch stark sein wollen und uns am Anfang gar so wenig zutrauen. Angela Hopkins bietet auch Clowning-Workshops an. Dieses Stück aber sollte viel öfter, nicht nur an einem Abend, gegeben werden, denn praktisch alle Besucher*innen bleiben ganz hingerissen noch auf ihren Sitzen, als die Clownin längst verschwunden. Und im Café wird noch lange selig-benommen erzählt und geschwelgt.

Dieser Beitrag wurde am 7. September 2019 um 19:57 veröffentlicht. Er wurde unter Theater abgelegt und ist mit , , , , , , , , , , getaggt. Lesezeichen hinzufügen für Permanentlink. Folge allen Kommentaren hier mit dem RSS-Feed für diesen Beitrag.

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